Mittwoch, 19. Dezember 2012

Senk ju for träveling....

oder Reisebericht aus Kopenhagen.

Ich denk immer, das kann gar nicht wahr sein. Was ich/wir so auf den Bahnfahrten erleben. Lange Zeit hab ich euch ja mit Berichten verschont. Dieses Wochenende war aber wieder der Hammer. Ich fang mal mit der Hinreise an:

Eigentlich sollte ich mit der Bahn von Rendsburg bis Fredericia durchfahren, eigentlich. Denn ab Padborg gab es einen Schienenersatzverkehr. Zum Glück hatte ich kaum Gepäck auf der Hinreise und entgegen der Vorhersage war der Bus schneller und ich erreichte noch knapp meinen Anschlusszug in Fredericia und kam somit pünktlich in Kopenhagen an.

Dort verbrachte ich noch ein paar schöne Tage mit meiner Tochter und half ihr beim Auflösen der Studentenbude. Daher waren wir auf der Rückreise ziemlich bepackt. Aber alles passte wie gewünscht in unsere Taschen. Der Koffer und die Tasche wurde auf einem Koffertrolley festgezurrt (wie schon oft) und nachdem die Wohnung abgenommen war, ging das Chaos - äh, die Rückreise los.

Kaum 200 m vom Wohnheim entfernt entschloss sich ein Rad des Koffertrolleys zur spontanen Trennung. Na klasse. Dann also den Koffer ziehen (hat ja ein paar kleine Räder) und nur noch die Tasche auf den Trolli. Das Rad wurde alle 50 m wieder auf die Achse gesteckt. So kamen wir ziemlich verschwitzt am Kopenhagener Hauptbahnhof an und brachten unser Gepäck erstmal in die Schließfächer. Was das gekostet hat, verschweig ich hier mal dezent. Auf dem ganzen Bahnhof war kein Trolley zu kaufen, egal - unser kam jedenfalls in den Müll und die Tasche wurde jetzt gezerrt. Über Fliesen ging das ganz gut. Der nette dänische Beamte setzte dann meine Tochter und ihren Rollstuhl mittels einer Hebebühne ins Abteil. Ich ditschte dann beim Einsteigen mal kurz mit dem Koffer an die Treppe und da hatte er nur noch drei Räder - ok, neuen Koffer wünschen. Der Zug war direkt mal nicht so voll. Wir hatten den Rollstuhlfahrerplatz reserviert und saßen dort gut.

Kurz nach der Abfahrt, nee - ne ganze Zeit nach der Abfahrt, kam ein wahnsinnig laaaangsamer Schaffner der dänischen Bahn durch. Von dem wurden wir dann lautstark und sehr unhöflich aufgeklärt, dass einer von uns schwarz fährt. Hä, wir hatten ein Ticket und zwei Sitzplatzreservierungen. Die dänische Bahn gewährt doch einem Rollstuhlfahrer eine Begleitperson. Wir legten noch den entsprechenden Behindertenausweis vor und der Schaffner wurde noch lauter. Da könnte ja ein Chinese kommen.... Der würde nur in Deutschland gelten. Ich bot an ein weiteres Ticket zu zahlen und bat ihn doch mal die Regelung nachzulesen. Er ließ uns großzügig so weiterreisen. Um zu sparen hat er wohl die Heizung abgedreht. Jedenfalls saßen nachher nahezu alle im Zug in Winterjacke. In Deutschland hab ich natürlich sofort mein Internet angeworfen und siehe da: Wir waren keine Schwarzfahrer! Die Deutsche und die Dänische Bahn haben einen Vertrag und gewähren gegenseitig diese Begleitperson. Leider hatte da das Personal schon gewechselt, sonst hätte ich ihn mir wohl mal vorgeknöpft. War ganz schön peinlich für uns.

In Lübeck mussten wir dann umsteigen. Wir waren ja angemeldet, also sollte dort wieder die Hebebühne für den Rollstuhl kommen. Auf dem Bahnhof dann gähnende Leere. Dank netter Mitreisender wurde meine Tochter dann mit Frauenkraft aus dem Zug gehoben. Der Zug nach Kiel war behindertengerecht und auch wärmer.

In Kiel war dann wieder jemand vom Bahnpersonal zum Abholen dort. Wir müssen ja immer alle Züge anmelden, falls mal kein behindertengerechter Zug kommt. ... wir sprechen da aus Erfahrung.

Am Bahnsteig wurden wir auch von meinem Mann in Empfang genommen, der uns dann mit dem Gepäck unterstützte und heimbrachte. Ende einer Abenteuerreise ;)


Kommentare:

  1. Hallo Frida,

    ich erlebe es auch in deutschen Zügen immer wieder, dass Schaffner (bzw. "Zugbegleiter", wie sie glaube ich jetzt auf neudeutsch heißen) die Reisenden extrem ankläffen können. Sie vergreifen sich absolut im Ton. Ich frage mich, ob man sich das wirklich gefallen lassen muss. Die sind nur auch so uneinsichtig, dass ich es dann für besser halte, nichts zu sagen, das eskaliert dann nur noch mehr. Aber eigentlich sollte man sich beschweren. Ich muss aber dazusagen: ich erlebe das meistens in den Regionalzügen, in den Fernzügen ist es mir in dem Tonfall so krass noch nicht untergekommen. Da waren sie bis jetzt eigentlich immer noch in Ordnung.

    Unmöglich auch, dass niemand da ist und Euch hilft, obwohl ihr Euch angemeldet habt.

    Schön, dass Ihr dann doch noch gut zuhause angekommen seid.

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  2. Beee,

    ich werde das auch nicht so auf sich beruhen lassen. Zum Glück kann meine Tochter ja perfekt dänisch. Ich werde einen Brief schreiben, den sie mir dann übersetzt.

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  3. Huhu,

    das nenne ich mal wirklich eine "Horrorfahrt" und dann noch angemeldet. Das kann ich jetzt echt nicht verstehen.

    Das der dännische Bahnbegleiter so reagiert hat, da würde ich aber noch mal nachhaken bzw. etwas schreiben. Das kann es ja nicht sein, wenn Du es schriftlich hast. Krass.

    Das mit den Koffern, das hat natürlich auch noch sein müssen. Es passt ja dann immer alles.

    Aber ihr seid heil zuhause angekommen, das ist das wichtigste.

    Ich wünsche Dir und Deinen Lieben ein schönes und besinnliches Weihnachtsfest.

    GLG Nicole

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